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SOBALD
FÜNF JAHRE VERGEHEN Mit
Anna Eger, Stefko Hanushevsky, Daniel Jeroma, Iris von Kluge,
Maximilian Löser-Hügel, REGIE
Sebastian Schug [4.Stdj. Schauspielregie] FÜNF: Die Zahl der Sinne, der Wunden Christi, der Säulen des Glaubens im Islam. Die "Quintessenz" bringt die Dinge auf den Punkt. Der Fünfstern, das Pentagramm, gilt auch als magisch-abwehrendes Zeichen. 5 ist die Zahl der in der Antike bekannten Planeten; von daher wird sie zur Zahl der babylonischen Mutter- und Liebesgöttin Istar, später dann Zahl der Venus. Durch diese Göttinnen, die immer auch den Gedanken Sexualität und Fruchtbarkeit implizieren, wird die 5 zur Zahl der Hochzeit.
5 Jahre will der Junge Mann warten, bevor er seine Verlobte heiratet. Die Braut geht auf eine Reise, und als sie wiederkommt, flieht sie mit einem anderen. Also macht er sich auf, um seine Liebe in den Armen einer anderen Frau zu leben und findet sie an einem alptraumhaften Ort, der von einem sadistischen Clownspaar regiert wird ... Was sich anhört, als hätten sich David Lynch und Pedro Almodóvar auf eine Flasche Absinth getroffen, ist Lorcas unmögliche Komödie aus dem Herzen des Traums: Ein Spiel um Zeit, Liebe und Tod. Eine erotisch-philosophische Betrachtung des Daseins und ein Glanzstück der Moderne: Totales Theater, so wie es sich Lorca immer zum Ziel gesetzt hat.
Das Ensemble besteht aus erfahrenen Schauspielern sowie jungen Talenten, wie z.B. Stefko Hanushevsky, der einen Solopreis beim diesjährigen Treffen deutscher Schauspielschulen erhielt, und Jan Thümer, der bereits mehrmals mit dem Regisseur zusammen gearbeitet hat. Die achtköpfige Gruppe wird zwanzig verschiedene Charaktere verkörpern, die von Nico Bauer eingekleidet werden und sich in drei verschiedenen Räumen bewegen werden, die Katrin Wittig so konstruiert hat, daß der Zuschauer tatsächlich mit auf die Reise genommen wird und doch nie wissen kann, was als nächstes geschieht. Der Theatermusiker Johannes Winde wird "live and on stage" den surrealen Bilderreigen am Klavier begleiten.
Mit dem großen ästhetischen und fantastischen Reichtum, den Lorcas Stück birgt, will die Produktion jenseits aller modischen Reduktionsattitüden, einen facettenreichen Beitrag zur Situation zwischen hochfliegenden Träumen, resignativem Abwarten und unbändiger Abenteuerlust leisten.
SEBASTIAN SCHUG, geb. 1979 in Leverkusen, studiert seit 2000 an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Regie und hat während dieser Zeit bereits verschiedene Projekte realisiert. U.a. BUNDESREPUBLIK NASHVILLE von Jan Friedhoff, das in die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz eingeladen wurde und YPHIGEENI nach Fassbinder und Goethe. 2003 nahm er an dem Festival AUSSER ATEM teil, in dessen Rahmen er die Produktion REBEL, REBEL an den sophiensaelen und auf kampnagel in HAMBURG zeigte. Außerdem wurde er von der Royal Scottish Academy nach Glasgow eingeladen, um dort mit Schauspielstudenten FRÜHLINGS ERWACHEN von Wedekind am Tron Theatre zu inszenieren. Im Anschluß an sein Studium wird er WERTHER.PHANTOME nach Goethe am Staatstheater Kassel inszenieren. Weitere Arbeiten YPHIGEENI (2003) DIE
WAHLVERWANDTSCHAFTEN (...) Die Lösung, die Schug findet ist originell. Der Fassbinder`schen "Entlarvung" der latenten Machtverhältnisse des Stücks stellt er Sprache und Humanitätsanspruch des Goethe´schen Originals gegenüber. Dabei erweist sich, dass die Texte den Vergleich bestehen. In der Inszenierung mischt sich zwischen die Diskurse der beiden Meisterautoren ein totes Reh. Man kann darin die Repräsentation des vom Stück geforderten Opfers sehen, vielleicht drückt sich in ihm aber auch in der Suche nach einem eigenen Standpunkt ein Beharren auf der Materialität des "Fleisches" gegenüber den rein semiotischen Interpretationsversuchen Fassbinders und Goethes aus. (...) taz BERLIN
KLEINMESSE
MÖGLICHER MEISTER VON MORGEN (...) Im Kontrast dazu Sebastian Schugs Paraphrase auf den James Dean Klassiker "Rebel without a cause" sowie JT Leroys Erzählung "Jeremiah". Ein Pandämonium exzessiver Gewalt, Leidenschaft, Unterwerfung, Folter, Hingabe und Verweigerung. Abgründe voller Psychoexzesse. Der Atem eisig und keuchend, röchelnd, zitternd und zart bis zur erregendsten Windstille. Phantastische, fast perfekte Stimmungsmalerei mit Musik, Licht und einem energiestrotzenden, gekonnt choreografierten Ensemble. Hitzige Dämonie durchsetzt mit erfrischender Blödelei, Durchtriebenheit mit Unschuld. Alles ausgebufft und naiv, rein und schmutzig zugleich; hochgestylt, hochpoetisch und auch wieder herrlich hochgradig durchgeknallt. Ein Albtraum voller Altklugheit und kleinen Weltweisheiten, garniert mit schwül Postpubertärem. Tatsächlich talentvoll außer Atem. Berliner Morgenpost
(...)
Die neue Maßlosigkeit liegt im Pathos. (...) wenn auch
so etwas wie Berliner Schule nicht auszumachen ist. Höchstens
der Einfluss der Ernst-Busch-Schule, an der Sebastian Schug im
vierten Jahr Schauspielregie studiert. Sein "Rebel, Rebel" in
Anlehnung an "Denn sie wissen nicht, was sie tun" bewegt
sich zwischen Vorstadttragödie und Cowboykomödie, tut
großmäulig so, als ließe sich mit einer Hand
voll provokanter Gesten so etwas wie Coolness erzeugen, aber
selbst wenn es knallig zugeht, werden die Figuren mit viel Fingerspitzengefühl
geführt: Sagen wenig, erzählen alles.
COOLE
LANDEIER Mülltrennen
kann sehr schön sein. Mit getrenntem Müll kann man
zum Beispiel ein Bühnenbild aus Pappkartons bauen und der
Sparsamkeit die Chance zur produktiven Selbstdarstellung geben.
Der Karton dient in Sebastian Schugs Inszenierung Die Kinder
bringen den Müll raus (Text Jan Friedhoff) als Badezimmer,
als Sofa, Schrank, Bartheke, ja, sogar als Auto. Die Fahrt im
Papp-Nissan durch eine leere Landschaft, irgendwie Methadon,
ist dann auch eine der stärksten Szenen in dieser bös-witzigen
Produktion im Theaterdiscounter . Vier junge Menschen aus Gütersloh
gammeln zwischen Langeweile und Intimität herum und scannen
die wiederkehrenden Heimat-Koordinaten ab: Turnhalle, Altglascontainer,
Spielothek und so weiter. Im Rückspiegel nix Neues. Bis
das eintönige Gelaber dann wie nebenbei eskaliert. In parallel
gesetzten Kurzdialogen wird Wein verschüttet, der Brustkrebs
der Mutter erwähnt und fast knallt einer gegen einen
Baum. Auch egal. Berliner Tagesspiegel
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