Sa 5. Mai + So 6. Mai 2007 20.00
Uhr
DER
BUS (Das Zeug einer Heiligen)
Lukas Bärfuss
Gastspiel des Staatstheaters Karlsruhe.
Regie: Nora Schlocker (4. Stj. Schauspielregie)
Ausstattung: Marie Lotta Roth
Dramaturgie: Tilman Neuffer
Es spielen: Anne-Kathrin Bartholomäus, Eva Derleder, Annika Martens,
Georg Krause, Hannsjörg Schuster und Jörg Seyer.
Im Rahmen einer langfristig angelegten Kooperation des
Karlsruher Staatsschauspiels mit der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin
ist diese Inszenierung die Diplom-Abschlussarbeit von Nora Schlocker,
mit der sie ihr Regie-Studium beendet.
Erika begibt sich auf eine Pilgerfahrt zur Schwarzen Madonna von Tschenstochau,
weil sie durch die Stimme eines Engels erfahren haben will, dass sonst
ein Unglück geschähe. Die junge Frau mit bewegter Vergangenheit
gehorcht. Sie setzt sich bei Dunkelheit in einen Bus, von dem sie annimmt,
er fahre nach Polen. Als blinde Passagierin wird sie vom Busfahrer Hermann
erwischt, der Kurgäste in ein Berghotel bringen soll. Erikas Passionsweg
beginnt. Denn Hermann will an ihren göttlichen Auftrag nicht glauben
und weigert sich, sein Fahrziel zu ändern. Der Härte ihrer
Mitmenschen hält Erika ihre radikale Gläubigkeit entgegen.
Die Situation eskaliert. Doch Gewalt kann Erika nicht von ihrem Vorhaben
abbringen. Erst die Begegnung mit dem Tankwart Anton, einem seltsamen Öko-Aktivisten,
lässt sie beinahe ihren Auftrag vergessen.
Lukas Bärfuss hat ein Stück über den Glauben geschrieben – und
trifft damit den Nerv der Zeit. Ist der Glauben nur ein halluzinierter
Rettungsanker, ein Wahngebilde für Seelenkranke, ein Mummenschanz,
ein knallhartes Geschäft oder gar ein ernst zu nehmender Lösungsvorschlag
für politische und soziale Fragen? Der Autor gibt keine fertigen
Antworten. Er erzählt die berührende Geschichte einer Frau,
deren Glaubwürdigkeit ansteckend wirkt und stellt ihr Menschen gegenüber,
die lediglich auf ihren Vorteil bedacht sind. Mit präziser Sprache
rückt Bärfuss seinen Figuren auf den Leib und schaut in ihre
Seele. Er entdeckt ihre spirituelle Leere und ihre Sehnsucht nach Heilung.
Doch die ist auch in der Religion nicht so leicht zu finden.
Lukas Bärfuss, 1971 in Thun geboren, schreibt nach einer Buchhändlerlehre
zunächst für die von ihm mitgegründete Schweizer Gruppe „400
ASA“ erste Stücke. Bekannt wird er durch seine Dramen „Die
sexuellen Neurosen unserer Eltern“ und „Alices Reise in die
Schweiz“, die sich ethischen Themen und tabubesetzten Fragen widmen:
Behindertensexualität, Sterbehilfe und Religiosität. Für „Der
Bus“ wird er im Sommer 2005 mit dem Mülheimer Theaterpreis
ausgezeichnet und bei der Kritikerumfrage von „Theater heute“ zum
wichtigsten Dramatiker des Jahres gekürt.
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