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Gyges
und sein Ring
von Friedrich Hebbel
Regie:
Robert Schuster
Mitarbeit: Yvonne Groneberg, Julie Pfleiderer, Nurkan Erpulat,
Sebastian Klink, Sebastian Martin, André Rößler
und Philip Stemann
(Studenten des 2. Studienjahres Schauspielregie)
Bühne und Kostüme Sascha Gross
Es
spielen Annegreth Geist, Wicki Kalaitzi, Nora Leschkowitz*, Arnim
Beutel, Martin Molitor, Jorres Risse
* 4. Studienjahr Schauspiel, HfS
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Die
Sehnsucht, etwas zu sehen, ist das Fundament des teatron, des
Raumes zum Schauen.
Hebbel
verhandelt in Gyges und sein Ring die alte Sehnsucht
des Menschen, einmal unsichtbar sein zu können. Gyges ist
Sklave am Hofe von Kandaules, der ihn inzwischen als Freund und
Berater schätzt. Aus Dankbarkeit schenkt Gyges ihm einen
Ring, der seinen Träger unsichtbar machen kann. Kandaules
kommt durch diese Möglichkeit auf eine Idee, die eine Lösung
für sein größtes Problem sein soll. Er ist verheiratet
mit der schönen Rhodope, deren Schönheit aber noch
kein Mensch gesehen hat, da sie immer verschleiert ist und nur
ihrem angetrauten Mann ihr Gesicht zeigen will. Sein Stolz und
sein Glaube an ihre Schönheit braucht einen Zeugen. Gyges
soll sich nachts unsichtbar in ihr Schlafzimmer begeben und anschließend
berichten, was er dort gesehen hat. Die nächtliche Brautschau
wird allen Beteiligten zur unvorhergesehenen Begegnung.
Der Traum vom Unsichtbarwerden ist für den jungen griechischen Helden
Gyges ein Albtraum, für den liberalen Herrscher Kandaulis die Wunderwaffe
bei der uneingeschränkten Ich-Reflektion und für seine verschleierte
Frau Rhodope, aus dem fernen Osten kommend, die Inkarnation des absolut
Bösen.
Die
Begegnung mit zwei fremden Kulturen wird für den reformfreudigen
Herrscher Kandaulis zum Katalysator seines eigenen Unterganges.
Die Multikulturalität bleibt ein Traum. Will ich schauen,
was die Griechen obskena, hinter der Bühne ließen,
obsiegt die Obszönität.
Licht
in die Dunkelheit zu tragen, war der große Anspruch der
Aufklärung. Aber gibt es etwas, das ich nicht schauen darf,
um den Preis meines eigenen Unterganges? Der alttestamentarische
Imperativ des Bilderverbotes erlangt im Angesicht des Bildes
der einstürzenden Twin Tower eine neue Dimension. Die Lust,
den anderen zu schauen, gerinnt über Kulturgrenzen hinweg
zur Pentetration.
Robert
Schuster
In
Kooperation mit Das TAT in Frankfurt am Main
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