bat-studiotheater Hochschule für Schauspielkunst Berlin Ernst Busch
 
bat-studiotheater der hochschule für schauspielkunst berlin ernst busch

Wachschlagen
Ein Volksfeind / Phädra / Julie! / Mein Hundemund / Europa(s)

Wenn im ausgehenden Winter an drei Abenden Theaterliteratur aus vier Jahrhunderten zur Aufführung kommt, nennen wir das WACHSCHLAGEN: Fünf Inszenierungen, sechs RegisseurInnen und über zwanzig Schauspielstudierende unseres dritten Studienjahres, angehende Bühnenbildner der Kunsthochschule Weißensee, selbst gewählte Stoffe; von der 1677 von Jean Racine geschriebenen »Phädra«, zu Ibsens »Ein Volksfeind« (1882) und Strindbergs »Fräulein Julie« (1888), in der Umsetzung von Tim Tonndorf: »Julie!«, bis in die neunziger Jahre zu Werner Schwabs »Mein Hundemund« hin in die Gegenwart: »Europa(s)« von Pauline Beaulieu von 2009. So verschieden die Zeiten, so unterschiedlich die Stoffe. Gemeinsamkeit der Abende: fünf Sichtweisen, wie junge Künstler Welt wahrnehmen und beschreiben.

Für Foto in Druckauflösung bitte klicken.

Robert Hartmann, Agathe Chion, David Czesienski, Nina Hellmuth, Tim Tonndorf, Pauline Beaulieu

Premiere Do 11. März 2010 19:00
Julie!*

Für Foto in Druckauflösung bitte klicken.



bilder: charlotte burchard dogsdoor.de
*Die Ermordung der Grafentochter Julie durch den Aufsteiger Jean innerhalb von 60 Minuten; erzählt von der Köchin Kristin – nach August Strindbergs naturalistischem Trauerspiel »Fröken Julie« aus dem schwedischen Hochsommer des Jahres 1888.
Es spielen: Maria Wardzinska, Mara Widmann, Anjo Czernich 3. Stj. Schauspiel. Regie: Tim Tonndorf 3. Stj. Schauspielregie. Bühne/Kostüme: Katharina Dobner KHB. Dramaturgie: Ann-Christine Simke. Mittsommernacht auf dem hochherrschaftlichen Gut. Der Hausherr ist abwesend – alle Domestiken feiern. Alle Domestiken? Nein! Kristin steht noch in der Küche und braut schwitzend einen übel riechenden Trank, der Unerwünschtes verschwinden lassen soll. Auch der Diener Jean treibt sich dort herum, wird allerdings von Julie, der Tochter des Hauses, aufgespürt und trotz des Standesunterschiedes zu Tanz und Tändelei gebeten. So manchem schwinden im diffusen Licht die Sinne, die Erinnerung lässt vor allem Kristin im Stich und als bei Sonnenaufgang Julies durchschnittene Kehle in intensivem Rot erstrahlt, ist die Küche längst zum Schlachthaus mutiert. Strindberg hat mit »Fröken Julie« ein, nach eigener Aussage, naturalistisches Trauerspiel geschaffen, in dem beim obszönen Kampf dreier Menschen um den besseren Lebensentwurf Klassencorsage und Albdruck zu Atemnot führen.